Lasur mit Wetterschutzfarbe überstreichen: Das musst du vorher wissen

29.09.2026 / Allgemein

Der Zaun war jahrelang lasiert, jetzt ist er fleckig, vergraut und soll endlich deckend werden. Oder das Gartenhaus soll vom Kiefernton auf Schwedenrot wechseln. Das ist der häufigste Wechsel, den wir im Laden und im Versand erleben, und die Frage dahinter ist immer dieselbe: Muss die alte Lasur komplett runter, oder kann ich einfach drüberstreichen? Hier ist die Antwort, mit den Zahlen aus unseren Produktdaten und dem technischen Merkblatt von Consolan.

Die kurze Antwort vorweg

In den meisten Fällen kannst du eine alte Lasur direkt mit Wetterschutzfarbe überstreichen. Drei Bedingungen müssen erfüllt sein:

  1. Die Lasur haftet fest. Nichts blättert, nichts kreidet stark ab.
  2. Die Lasur ist vollständig durchgetrocknet. Frische oder ölhaltige Lasuren, die noch klebrig sind oder abfärben, sind kein tragfähiger Untergrund.
  3. Der Untergrund wird angeschliffen und ist staubfrei, bevor die Farbe kommt.

Sind alle drei Punkte erfüllt, brauchst du: Anschliff, bei hellen Farbtönen einen Isoliergrund, dann zwei satte Anstriche Wetterschutzfarbe. Komplett abschleifen musst du nur dort, wo die Lasur lose ist oder wo du einen Lack statt einer Lasur vor dir hast. Wie du das unterscheidest, steht im nächsten Abschnitt.

Der umgekehrte Weg funktioniert übrigens nicht: Auf eine deckende Farbe kannst du keine Lasur mehr streichen, weil die Lasur nicht ins Holz eindringen kann. Warum das so ist, erklären wir im Vergleich Wetterschutzfarbe oder Lasur.

Der Test in zwei Minuten: Trägt der Altanstrich?

Bevor du eine Dose öffnest, prüfst du den Untergrund an drei Stellen: an der Wetterseite, an einer geschützten Stelle und an einer Kante oder einem Hirnholz.

Kratzprobe. Mit einer Münze oder einem Spachtel kräftig über die Fläche kratzen. Löst sich die Lasur in Schuppen oder Fetzen, ist sie nicht mehr tragfähig und muss dort runter. Bleibt sie stehen oder gibt nur Staub ab, ist sie in Ordnung.

Klebebandprobe. Ein Stück kräftiges Klebeband fest andrücken und ruckartig abziehen. Hängen Lasurreste am Band, trägt der Untergrund nicht. Bleibt das Band sauber, kannst du überstreichen.

Wassertropfen. Einen Tropfen Wasser auf die Fläche geben. Zieht er innerhalb weniger Sekunden ein, ist die Lasur weitgehend abgewittert, das Holz saugt und braucht eine Grundierung. Perlt der Tropfen minutenlang ab, ist noch ein geschlossener Film da, den du gründlich anschleifen musst, sonst hält die Farbe nicht.

Die Wischprobe verrät dir, ob die Lasur kreidet: Mit der Handfläche fest über die Fläche reiben. Bleibt viel Pigment an der Hand, muss die kreidende Schicht vor dem Streichen mit Wasser und Schleifvlies abgewaschen werden.

Wenn du an allen drei Stellen ein gutes Ergebnis hast, geht es weiter mit der Vorbereitung. Wenn nur die Wetterseite abblättert, schleifst du nur dort bis aufs Holz und behandelst den Rest wie einen festen Altanstrich.

Dünnschicht oder Dickschicht: Warum das über den Aufwand entscheidet

Nicht jede Lasur ist gleich. Eine Dünnschichtlasur dringt ins Holz ein und bildet kaum Film. Sie wittert gleichmäßig ab, kreidet eher, blättert aber selten. Auf einer alten Dünnschichtlasur reicht in der Regel ein Anschliff mit Körnung 120, dann kann die Farbe direkt drauf.

Eine Dickschichtlasur oder ein Holzgel bildet einen sichtbaren, oft leicht glänzenden Film. Der verhält sich beim Überstreichen eher wie ein Lack: Er muss matt angeschliffen werden, sonst findet die Wetterschutzfarbe keinen Halt. Hier nimmst du Körnung 80 bis 100 und schleifst so lange, bis der Glanz überall weg ist.

Ein echter Lack (hart, glänzend, splittert beim Kratzen) ist der einzige Fall, in dem wir zum vollständigen Entfernen raten. Auf Lack haftet Wetterschutzfarbe nicht dauerhaft, egal wie gut du schleifst.

Faustregel aus dem Laden: Je glänzender die alte Oberfläche, desto gründlicher der Anschliff.

Vorbereitung Schritt für Schritt

1. Reinigen. Grünbelag, Staub und lose Fasern mit Bürste und Wasser entfernen. Bei Algen und Moos hilft ein Grünbelagentferner. Ein Hochdruckreiniger ist erlaubt, aber mit Abstand und ohne Dreckfräse, sonst reißt du Holzfasern auf. Danach das Holz mindestens zwei trockene Tage durchtrocknen lassen.

2. Lose Stellen abschleifen. Überall dort, wo die Kratzprobe versagt hat, mit Körnung 60 bis 80 bis aufs feste Holz schleifen. Die Übergänge zum festen Altanstrich flach ausschleifen, sonst zeichnen sie sich später ab.

3. Ganze Fläche anschleifen. Dünnschichtlasur mit Körnung 120, Dickschichtlasur mit 80 bis 100. Ziel ist eine gleichmäßig matte, leicht raue Oberfläche. Welche Körnung für welchen Schritt passt, steht ausführlich im Ratgeber zur Schleifpapier-Körnung. Für den Anschliff bei Consolan nie Stahlwolle verwenden, winzige Stahlsplitter rosten später als braune Punkte durch den Anstrich.

4. Entstauben. Gründlich abbürsten oder absaugen, dann mit einem feuchten Tuch nachwischen. Schleifstaub ist der häufigste Grund, warum Wetterschutzfarbe nicht haftet.

5. Grundieren, wo nötig. Hier entscheidet der Zustand des Holzes und der neue Farbton:

  • Freigeschliffene, rohe Stellen und stark saugendes Holz: Consolan Wetterschutz Holzgrund, farblos, unverdünnt mit dem Pinsel in Maserrichtung.
  • Heller Farbton auf dunkler Lasur (Weiß, Kieselweiß, Sandgelb, Silbergrau und die hellen Grautöne): zusätzlich Consolan Isoliergrund Weiß. Er sperrt Holzinhaltsstoffe und Lasurpigmente ab, die sonst als gelbe oder braune Flecken durchschlagen. Zwei satte Pinselanstriche, bei sehr inhaltsstoffreichem Holz drei, mit drei bis vier Stunden Trocknung dazwischen.
  • Dunkler Farbton auf fest haftender, gleichmäßiger Lasur: keine Grundierung nötig, direkt weiter mit der Farbe.

Wann welche Grundierung sinnvoll ist, haben wir in Grundierung richtig wählen ausführlich beschrieben.

6. Zwei Anstriche Wetterschutzfarbe. Consolan gut aufrühren, mit weichem Flachpinsel oder Rolle zügig und satt auftragen. Schnittkanten und Hirnholz besonders sorgfältig zustreichen, dort zieht Wasser ein. Nach 3 bis 4 Stunden ist die Farbe überstreichbar, dann folgt der zweite Anstrich. Erst er bringt die volle Deckkraft und den Langzeitschutz von bis zu 10 Jahren.

Verarbeitungstemperatur: ab 10 Grad, ideal 15 bis 21 Grad, nicht über 30 Grad und nicht in praller Sonne. Alle Details zu Consolan stehen im Consolan-Ratgeber.

Wenn der Altanstrich nicht trägt: Abschleifen oder Abbeizen?

Blättert die Lasur großflächig ab oder hast du einen Lack vor dir, muss die alte Schicht runter. Zwei Wege:

Abschleifen ist bei glatten, gut zugänglichen Flächen die schnellere Methode: Exzenterschleifer mit Körnung 60, dann 80, dann 120 zum Glätten. Bei Zaunlatten, Profilbrettern und Fensterläden mit vielen Kanten wird das mühsam, dort kommst du mit Schleifschwämmen weiter. Atemschutz tragen, alter Farbstaub kann gesundheitsschädlich sein.

Abbeizen lohnt sich bei profilierten Flächen, Schnitzereien und dicken Lackschichten. Ein pastöser Abbeizer wie der Molto Power-Abbeizer wird satt aufgetragen, wirkt nach Herstellerangabe ein und wird mit dem Spachtel abgeschoben. Danach das Holz mit Wasser neutralisieren, trocknen lassen und leicht anschleifen. Abbeizer nie in der Sonne und nie antrocknen lassen.

Für eine alte Dünnschichtlasur ist beides meist übertrieben: Sie ist so dünn, dass der Anschliff sie an den kritischen Stellen ohnehin bis aufs Holz mitnimmt.

Farbtonwechsel von dunkel auf hell: Anzahl der Anstriche und Bedarf

Von Nussbaum auf Weiß ist der anspruchsvollste Wechsel. Rechne so:

  • Isoliergrund Weiß, zwei bis drei Anstriche, je nach Holz
  • Wetterschutzfarbe, zwei Anstriche, bei sehr dunklem Untergrund ein dritter

Der Verbrauch von Consolan Wetterschutzfarbe bei zwei Anstrichen auf gehobeltem Holz: 750 ml für etwa 5 Quadratmeter, 2,5 Liter für etwa 15 Quadratmeter, 5 Liter für etwa 30 Quadratmeter. Auf angeschliffener Lasur liegt der Verbrauch meist im Rahmen, auf freigeschliffenem, sägerauem oder altem Holz plane 20 bis 30 Prozent Zuschlag ein.

Von hell auf dunkel ist einfacher: Anschliff, kein Isoliergrund, zwei Anstriche. Und bei allen Zwischentönen gilt: Bildschirmfarben täuschen, jede Holzart verändert den Ton. Bestell vorher ein handgestrichenes Farbmuster auf Echtholz, das kostet unter einem Euro und erspart die falsche 2,5-Liter-Dose.

Alle 20 Farbtöne, Gebinde und Sets findest du in unserer Kategorie Wetterschutzfarben, die 2,5-Liter-Dose direkt hier: Consolan Wetterschutzfarbe 2,5 l.

Häufige Fehler, die uns gemeldet werden

Streichen auf feuchtem Holz. Nach dem Reinigen sieht das Holz trocken aus, ist es aber nicht. Wetterschutzfarbe auf feuchtem Holz bildet Blasen und löst sich innerhalb eines Jahres. Mindestens zwei trockene Tage warten, bei dickem Holz länger.

Zu früher zweiter Anstrich. Consolan ist nach 3 bis 4 Stunden überstreichbar, bei kühlem oder feuchtem Wetter später. Wer den zweiten Anstrich zu früh aufträgt, zieht den ersten wieder auf und bekommt eine fleckige, ungleichmäßige Fläche.

Arbeiten in praller Sonne. Die Farbe trocknet an der Oberfläche an, bevor sie verlaufen kann. Das Ergebnis sind Ansätze, Pinselstriche und ein Film, der nicht richtig aufliegt. Morgens oder abends streichen, oder auf der Schattenseite anfangen.

Anschliff vergessen. Auf einer glänzenden Dickschichtlasur ohne Anschliff hält keine Wetterschutzfarbe. Das zeigt sich nicht sofort, sondern nach dem ersten Winter.

Klebeband erst am nächsten Tag abziehen. Der elastische Consolan-Film verbindet sich mit dem Band und wird mit abgezogen. Klebeband immer sofort nach dem Streichen entfernen, solange die Farbe nass ist.

Kesseldruckimprägniertes Holz zu früh streichen. Consolan haftet nicht auf frisch borsalzimprägniertem Holz. Neues KDI-Holz drei bis sechs Monate abwittern lassen, erst dann deckend streichen.

Häufige Fragen

Kann ich Wetterschutzfarbe direkt auf eine alte Lasur streichen?

Ja, wenn die Lasur fest haftet, vollständig durchgetrocknet ist und du sie anschleifst. Lose Stellen vorher bis aufs Holz schleifen, danach zwei satte Anstriche.

Muss ich die alte Lasur komplett entfernen?

Nein, nur dort, wo sie abblättert oder wo es sich um einen Lack handelt. Fest haftende Lasur wird nur angeschliffen.

Welche Körnung zum Anschleifen einer Lasur?

Dünnschichtlasur Körnung 120, Dickschichtlasur oder Holzgel Körnung 80 bis 100, lose Stellen und Übergänge Körnung 60 bis 80. Keine Stahlwolle.

Brauche ich eine Grundierung auf alter Lasur?

Bei hellen Farbtönen auf dunkler Lasur ja, einen Isoliergrund Weiß, sonst schlagen Pigmente und Holzinhaltsstoffe durch. Auf freigeschliffenen, rohen Stellen einen Holzgrund. Bei dunklen Farbtönen auf fester Lasur kannst du direkt streichen.

Wie viele Anstriche brauche ich von dunkel auf weiß?

Zwei bis drei Anstriche Isoliergrund Weiß und zwei Anstriche Wetterschutzfarbe, bei sehr dunklem Untergrund drei.

Warum haftet die Wetterschutzfarbe nicht auf der Lasur?

Die häufigsten Ursachen: kein oder zu wenig Anschliff auf einer glänzenden Dickschichtlasur, Schleifstaub auf der Fläche, feuchtes Holz oder eine Lasur, die noch nicht durchgetrocknet war.

Kann ich danach wieder zurück zur Lasur?

Praktisch nein. Auf einem deckenden Film kann keine Lasur eindringen, du müsstest die Farbe vollständig entfernen.

Unser Fazit

Fest haftende Lasur anschleifen, entstauben, bei hellen Tönen isolieren, zweimal streichen. Lose Stellen freischleifen und grundieren. Lack komplett runter. Wer diese Reihenfolge einhält, bekommt auf altem, lasiertem Holz denselben Langzeitschutz wie auf neuem. Und wenn du unsicher bist, ob dein Untergrund trägt: Mach den Zwei-Minuten-Test, bevor du Farbe kaufst.

Dieser Ratgeber entsteht im FarbenFux Farbenfachmarkt der Erhard-Trading GmbH in Selb, Oberfranken. Grundlage sind das technische Merkblatt von Consolan sowie unsere eigene Beratungserfahrung im Laden und im Versand. Bei Fragen zu deinem Projekt erreichst du uns unter +49 9287 5909981 oder info@farbenfux.de.


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